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Umsetzung der Richtlinien zur Informations- und Kommunikationstechnologischen Grundbildung IKG Albert-Schweitzer-Schule Gemeinschafts-Hauptschule der Stadt Lüdenscheid
Inhalt
Als zukünftige Basistechnik sind die Neuen Technologien bereits seit geraumer Zeit Pflichtunterricht für die Schulen der Sekundarstufe 1. Richtlinien, Beratungssysteme und Lehrerfortbildung unterstützen die Implementation. Nachfolgend wird dargestellt, wie an der Albert-Schweitzer-Schule in Lüdenscheid nach den Prinzipien des Institutionellen Schulentwicklungsprozesses (ISP)1 die Informations- und Kommunikationstechnologische Grundbildung (IKG) fächerübergreifend in den Pflichtunterricht der Jahrgangsstufen 7 bis 9 eingebunden wurde. 1) Hinweise zu externen Moderatorencouples des ISP gibt in
Nordrhein-Westfalen das Landesinstitut für Schule und
Weiterbildung in Soest oder die Dezernate 45 der Bezirksregierungen.
Der vorhandene Computerraum wurde zunächst - wie fast überall - eher situativ genutzt: Prozeßdatenverarbeitung und Textverarbeitung wurden im Wahlpflichtunterricht für die Klassen 9 und 10 angeboten. Interessierte Schülerinnen und Schüler sorgten für Zulauf, dem nicht im geforderten Maß entsprochen werden konnte. War zufällig eine Lehrkraft interessiert, so wurden Computer auch in einzelnen Klassen im Regelunterricht eingesetzt, z.B. für Übungsprogramme im Mathematikunterricht. Ebenso wählten bei Projektphasen und -wochen einzelne Gruppen Themen, bei denen die Computer genutzt wurden. Auch anderen Schulen wird schon die Erkenntnis gekommen sein,
Veränderte Bedingungen erfordern von allen Beteiligten (Er-)Kenntnisse und Veränderungen eigener Reaktionsmuster, also eine Veränderung von Selbstverständnis und Handeln. In der Folge des gesamtgesellschaftlichen Wandels entstand die Organisationsentwicklung, die als" Corporate Idendity " in der Wirtschaft am schnellsten und in der ausgeprägtesten Form Fuß gefaßt hat. In Reaktion auf Entwicklungen im skandinavischen Raum (Dalin e.a.) und in den USA (SchmucklSchmuck e.a.) entstand in Nordrhein-Westfalen der Institutionelle Schulentwicklungsprozeß (ISP). Die Prinzipien von ISP waren für uns der Handlungsrahmen, der sicherstellte, daß alle Kolleginnen und Kollegen den Unterricht mit und an Computern zu ihrem Eigentum machten. So ist auch sichergestellt, daß über formale, organisatorische Fassaden hinaus für alle Schülerinnen und Schüler unterrichtliche Ausbildung in Neuen Technologien stattfindet.
Information und Zielvereinbarung Um handeln zu können braucht eine Gruppe zunächst einen gemeinsamen Kenntnisstand. So war der erste Schritt die Information des Kollegiums in der Konferenz über die Grundzüge der Vorläufigen Richtlinien, ihre Verbindlichkeit und die Auswirkungen für den Unterrichtsalltag. Die Verpflichtung für alle Lehrkräfte, zukünftig auch mit Computern arbeiten zu müssen, löste - durchaus berechtigt - die Sorge aus, zusätzlich belastet zu werden. Auf die Mitarbeit aller konnte nicht verzichtet werden, weil die geforderten Unterrichtseinheiten fächerübergreifenden Charakter haben und nur im Teamteaching oder anderen besonderen Kooperations- und Unterrichtsformen zu verwirklichen sind. Der erste Diskussionszugang beschrieb (erwartungsgemäß) Hindernisse: IKG ist für die Schüler und Lehrerschaft zu schwer, der Informatikraum ist unzureichend ausgestattet, Lehrkräfte sind überwiegend nicht ausgebildet, die Verankerung im Stundenplan wirft große organisatorische Probleme auf. Da die IKG-Inhalte verpflichtend sind, wurde beschlossen, daß eine Steuergruppe den Entwicklungsprozeß plant und führt in enger Zusammenarbeit mit dem Kollegium.
Diese Steuergruppe setzte sich zusammen aus dem an der Schule tätigen regionalen IKG-Moderator, der als ISP-Beraterin ausgebildeten Schulleiterin, computererfahrenen und – als wichtigste – Bedenken tragenden Kollegiumsmitgliedern. Gerade die letzten waren unverzichtbar, weil sie durch ihre Beiträge dafür sorgten, daß der Entwicklungsprozeß sich nicht vom Kollegium abhob und damit scheiterte. Die Steuergruppe organisierte zunächst ihre eigene Arbeit.
Diese Rückmeldung kam bei
der Steuergruppe unmißverstanden an und führte zur
organisatorischen Umstrukturierung.
Wir konnten also nicht erst fortbilden und dann die Lehrkräfte einbinden, sondern wir mußten alle Lehrkräfte von Anfang an mit ihren jeweiligen Fähigkeiten mitarbeiten lassen, und das in einer Weise, daß sie die Notwendigkeit ihrer Mitarbeit erlebten. Dazu banden wir die Fachkonferenzen ein. Aus einer Übersicht über die IKG-Themen durchforsteten sie in der nächsten Lehrerkonferenz in arbeitsteiliger Gruppenarbeit die jeweiligen Lehrpläne, die im Rahmen der Grundbildung bearbeitet werden können. Die Visualisierung der Arbeitsergebnisse verdeutlichte, welche IKG-Themen in mehreren Fachlehrplänen auftauchten und sich somit anboten für fächerübergreifendes Arbeiten. Diese Visualisierung ermöglichte allen Mitgliedern des Kollegiums die gleichberechtigte Teilnahme an der Diskussion, in welchen Feldern sich die Umsetzung von IKG an unserer Schule besonders anbietet. Gerade die Computererfahrenen lieferten hier wertvolle Hinweise für die organisatorische Umsetzung, weil sie einen geschärften Blick für mögliche Störungen hatten. Die Einigung erbrachte folgenden Beschlußvorschlag für die Schulkonferenz: Die Informations- und Kommunikationstechnologische Grundbildung wurde in folgender Form ins Schulprogramm eingebunden:
So gelang die Einbindung des
gesamten Kollegiums auf der Basis der jeweiligen unterschiedlichen
Qualifikationen. Gerade die Mitglieder mit Berührungsängsten
zur Computerarbeit erkannten, daß ihre fachliche Mitarbeit
unentbehrlich ist, sie
aber deshalb nicht zwangsläufig am Computer arbeiten müssen.
Aus dem Kollegium selbst kam die interessanteste Idee, wie man Schulung am Computer betreiben konnte entsprechend der bestehenden Interessenlage. Die Fachkonferenz Mathematik stellte den Antrag, daß alle Mathematiklehrkräfte in der nächsten schulinternen Lehrerfortbildung (SchiLF) die Unterrichtseinheit "Buch oder Video" am Computer kennenlernen und durchführen sollten. Während die nicht betroffenen an den anderen Themen des Schulprogramms weiterarbeiteten, trafen sich zu den drei Veranstaltungen die Mathematiklehrkräfte im Computerraum. Der Moderator hatte die praxisnahe Durchführung einer Befragung mit dem Programm "GrafStat plus" vorbereitet. Nach der Methode "learning by doing", dem Lernprinzip der Hauptschule (Wissenschaftsorientierung, Erfahrungsorientierung, Handlungsorientierung), planten die Lehrkräfte den nächsten Lehrerausflug. Auch die Mitglieder der FK Mathematik verspürten nicht alle den ungebremsten Drang zur Arbeit am Computer, aber diese Lerneinheit in lockerem Rahmen wurde ein ganz unerwarteter Erfolg. Im praktischen Tun und im Wechsel der Rollen von Lehrenden zu Lernenden machte sich die Gruppe an die Arbeit.
Nicht alle Interessierte konnten bedient werden, aber innerhalb eines Halbjahres wurden drei Zeitungsprojekte und eine Einheit CAD/CAM durchgeführt. Die Lehrkräfte waren auf eigenen Wunsch geschult worden, ohne daß diese Schulung als Ziel vorher formuliert worden war. Zu diesem Zeitpunkt konnten sich
auch die Schulleiterin aus der Prozeßbegleitung
zurückziehen. Sie wurde noch zu rechtlichen und
verwaltungstechnischen Entscheidungen befragt. Die Steuergruppe hatte
gelernt, Situationen zu analysieren, Ziele zu definieren, Strategien zu
entwickeln und Prozesse zu evaluieren.
Zu Beginn des Schuljahres 95/96 waren die Vorarbeiten bis hin zur Beschlußfassung in der Schulkonferenz abgeschlossen. Stundenplan und Unterrichtsverteilung berücksichtigten weitgehend die von den Fachkonferenzen gesetzten Vorgaben. (s.u.). Die Beschlüsse der Lehrerkonferenz waren von den Fachkonferenzen in die Arbeitspläne eingearbeitet worden. Wie bei jeder guten Premiere machte sich Lampenfieber breit. Zur Stütze war bei der Stundenplangestaltung dafür gesorgt worden, daß in den Phasen der IKG-Einheiten der Moderator den Fachlehrkräften zur Seite stand. Den Ansprüchen aus dem Bereich der Modellbildung waren unsere veralteten XT-Rechner nicht gewachsen. Wir ersetzen sie durch eine zweite Einheit Textverarbeitung/ Datenverwaltung/ Tabellenkalkulation und hielten so die zeitlichen Vorgaben der Vorläufigen Richtlinien ein.
Drei der vier Deutschstunden der drei achten Klassen konnten im Stundenplan parallel gesetzt werden, so daß der Moderator im Laufe des Jahres durch die Klassen wechseln konnte. Der zeitliche Umfang der Einheit wurde auf 10 bis 11 Wochen festgelegt. Aufgrund der Klassenstärken soll diese Organisationsform auch in den kommenden Jahren beibehalten werden.
Die Fachkollegen hatten bereits im Zuge der oben erwähnten SchiLF-Maßnahme praktische Erfahrungen mit dem Programm GrafStat sammeln können, so daß auf die Einplanung des Moderators verzichtet werden konnte. Da es sich im Mathematikunterricht um Differenzierungsgruppen handelt, lag die Gruppenstärke im akzeptablen Bereich. Der Moderator erteilte in dieser Klassenstufe jedoch zwei Stunden Förderunterricht in der Woche. Bei Bedarf konnte er ohne weitere organisatorische Mühen zu den Unterrichtseinheiten herangezogen werden. Eine Kooperation der Fachlehrer der Klassen wird ausdrücklich gewünscht und angeregt. So könnte beispielsweise bei einer Umfrage zum Thema Taschengeld auch der Wirtschaftslehreunterricht mit einbezogen werden.
Für jede Einheit wurden 6 Unterrichtswochen vorgesehen. Technik wird in beiden Klassenstufen bei halber Klassenstärke halbjährlich im Wechsel mit Hauswirtschaft unterrichtet. Bei der vorliegenden Dreizügigkeit der Schule sind demnach in jedem Schuljahr 6 Gruppen beteiligt. Auch hier wurde der Moderator dem Unterricht zugeordnet, so daß er im Laufe des Jahres durch die Gruppen wechseln konnte. Die Umsetzung des Konzeptes erforderte umfangreichere organsatorische Maßnahmen als bei den anderen Unterrichtseinheiten. Je zwei Gruppen hatten zur gleichen Zeit Unterricht (z. B. Klasse 8a und Klasse 9a am Dienstag in der 5. und 6. Stunde). Auf den Moderator entfiel bei diesem Oganisationsprinzip ein Stundenaufwand von 4 Stunden pro Woche. Dies schien für 6 Gruppen gerechtfertigt. Da sich im ersten Halbjahr
herausstellte, daß die veranschlagten 6 Wochen nicht ausreichten,
wurden im zweiten Halbjahr die Moderatorenstunden um zwei erhöht
und die Zeit auf 8 bis 9 Wochen ausgedehnt.
Die IKG ist mittlerweile fester Bestandteil der verbindlichen Unterrichtsinhalte an der ASHS. Die Zufriedenheit der beteiligten Lehrkräfte und der Schülerschaft ist hoch. Die SV beschloß, von den
von ihr verwalteten Geldern einen hohen Betrag zur Verfügung zu
stellen, um notwendige Programme zu kaufen. Die Stadt rüstete den
Computerraum auf, um ihn an die Erfordernisse der Richtlinien
anzupassen.
Nach der Umstellung der veralteten Computeranlage auf einen modernen Standard wurde auch ein vielseitigeres Textverarbeitungsprogramm angeschafft, mit dem praxisnah gearbeitet werden kann. Die erstellten Magazine sind ansprechend und erfüllen die Schüler mit Stolz. Im Bereich Prozeßdatenverarbeitung wird noch zum Teil mit einem alten DOS-Programm gearbeitet, da ein Windows-Programm erst in der Entwicklungsphase steckt. Die Einheit "Industrieroboter" wurde als verbindliche IKG-Einheit gestrichen und wird zukünftig im Wahlpflichtunterricht angeboten. Eine Unterrichtseinheit zum Bereich Modellbildung und Simulation ist bereits von der Fachkonferenz Mathematik befürwortet worden und soll die Unterrichtseinheit "Buch oder Video" als verbindliche Einheit ablösen. Doch da die Kolleginnen und Kollegen erst noch fortgebildet werden müssen, ist die Umsetzung erst für das nächste Schuljahr geplant. Im Zusammenhang mit dem fächerübergreifenden Charakter der Unterrichtseinheiten besteht noch Änderungsbedarf. Die beteiligten Kolleginnen und Kollegen übernehmen die Inhalte und Ziele anderer Fachbereiche in ihre Planung und Umsetzung, eine Kooperation zwischen verschiedenen Fachbereichen oder eine Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Fachkollegen findet jedoch noch nicht durchgängig statt. Fächerübergreifend zu arbeiten wird seit längerem gefordert und auch von den Kolleginnen und Kollegen begrüßt und gewünscht. Doch zu viele Hemmnisse und mangelnde Erfahrung behindern die Umsetzung. Die Entwicklung eines Schulprogramms eröffnet Möglichkeiten zur Fortbildung und Erprobung in diesem Bereich. Die durch die Grundbildung vermittelten Kenntnisse und Fähigkeiten der Schülerinnen und Schüler erlauben es den Kolleginnen und Kollegen der oberen Klassen immer öfter, den Computer als Werkzeug in ihren Unterricht einzubauen. Für derartige Unterrichtsvorhaben wird auch kaum noch Unterstützung durch den IKG-Moderator benötigt. Seit Anfang des Schuljahres beschäftigt sich eine Schülergruppe im Wahlpflichtunterricht mit der Nutzung des Internet. Als erstes Projekt soll eine Homepage erstellt werden. Im Verlauf der Arbeit setzen sich die Schülerinnen und Schüler auch mit den Möglichkeiten der Telekommunikation (E-Mail) auseinander. Auch wenn eine moderne Anlage die Möglichkeiten des Rechnereinsatzes stark erweitert, sollten nicht verkannt werden, daß auch zusätzliche Arbeiten anfallen. So müssen die Daten vor Manipulationen geschützt und regelmäßig gewartet werden, den Kollegen und Schülern muß ein einfaches und leichtverständliches Menü-System zum Programmstart geboten werden und neue Programme müssen gesichtet, installiert und vorgestellt werden. Ebensowenig, wie man die Umsetzung der Vorläufigen Richtlinien nur wenigen ausgewählten (freiwilligen) Kollegen überlassen sollte, darf man deshalb darauf verzichten, die notwendige Verantwortung einem Kollegen oder einer kleinen Gruppe zu übertragen. Die Benennung eines IKG-Beraters an der Schule sollte deshalb nicht nur eine Pflichtaufgabe sein.
Tilla-Ute Schöllchen Lehrer an der Albert-Schweitzer-Schule Lüdenscheid IKG-Moderator bei der Beszirksregierung Arnsberg |